Die Entstehung bzw. der Ursprung von Jû-Shin-Dô (JSD)

Vorwort :

 

Mein Name ist Michael Loose und ich wurde 1976 geboren. Schon in jungen Jahren interessierte ich mich für asiatische Kampfsportarten. Auf Grund einer abschreckenden Erfahrung beim ersten Probetraining, bin ich jedoch zur damaligen Zeit in keine Kampfsportschule gegangen. Stattdessen versuchte ich aus diversen Büchern und durch erfahrene Freunde die eine oder andere Technik zu erlernen. Wie erfolgreich ein solches amateurhaftes Training sein kann, könnt ihr Euch sicher vorstellen.

Die Faszination für die asiatische Kampfkunst hielt mich jedoch weiter gefangen und so war ich mehr als glücklich als ich während meiner Zeit bei der Bundeswehr an einer Spezialausbildung teilnehmen konnte. Ich erlernte neben dem militärischen Nahkampf und einigen Spezialtechniken, welche hier nicht weiter erläutert werden sollten, auch die Grundtechniken des klassischen Karate.

Nach meiner Bundeswehrzeit war ich wirklich infiziert und so absolvierte ich mehrere Trainingseinheiten in den verschiedensten Schulen, doch leider fand ich nichts Passendes.

Das Training in einem Aikido-Dojo war zwar eine Konfrontation mit einer der schönsten Kampfkunststile die es gibt (persönliche Meinung), aber leider auch eine der teuersten, da es sich um eine Privatschule handelte.

So verstrichen mehrer Wochen und es war im Nachhinein ein Wink des Schicksals, das ich den Bekannten eines Freundes bei einem Bier kennenlernen durfte. Dieser war Mitglied eines Vereins für die Ausübung Close-Combat Streetfight. Nach dem ersten Probetraining war klar, das ich dieses weiter trainieren wollte und fing 1998 fest an in diesem Verein zu trainieren.

 

Entstehung :

 

Das Training des Close-Combat Streetfight war eine effektive und abwechslungsreiche Sportart, jedoch konnte ich nicht behaupten, dass die Gesetzeseinhaltung im Falle einer eventuellen Anwendung nicht unbedingt gegeben war. Erste Zweifel kamen auf – erstrecht wenn man in Betracht zog das wir auch Kinder in diesem Stil unterrichteten.

Mit meinem Mitstreiter Mike Silber kam ich darüber ins Gespräch und dieser äußerte selbige Bedenken, nur er war schon weiter gegangen als nur zu denken. Sein bester Freund Baybora „Babo“ Acemi und er hatten parallel schon an der Entwicklung eines neuen Stiles gearbeitet. Dieser neue Stil sollte eine Mischung aus den verschiedenen Stilen werden. Effektiv, leicht zu erlernen, aber frei von vorgegebenen Techniken und vor allem vertretbar vor dem Gesetz.

Einige Wochen später schlug das Schicksal erneut zu. Der damalige Vereinsvorsitzende, der den Verein mehr wie eine Schule, also in Alleinherrschaft leitete, hatte sich scheinbar mit seiner parallelen Selbstständigkeit übernommen. Von Heute auf Morgen wollte er den gesamten Verein auflösen, da er keine Zeit mehr hatte sich darum zu kümmern. Er beraumte eine außerordentliche Vereinssitzung an um es amtlich zu machen. Zu dieser Auflösung ist es jedoch nicht gekommen, denn Mike und ich zogen alle Eltern unserer Kinderschüler auf unsere Seite und tätigten quasi ein „feindliche Übernahme“ des Vereins. Von nun an lief der Verein unter unserer Leitung und wir fingen an das Training auf unseren neuen Stil umzubauen. Von nun an lehrten und entwickelten wir diesen neuen Stil weiter. Nach langen Diskussionen und Recherchen nannten Mike Silber und Babo den Stil Jû-Shin-Dô.

Was ist JSD ?

Philosophie :

JÛ-SHIN-DÔ – Der sanfte geistvolle Weg - so lautet die "Sinn-Wort-Übersetzung". 

Das hat erstmal nichts damit zu tun, das wir unsere Angreifer nur mit Samthandschuhen anfassen, oder das wir dabei sehr spirituell tätig sind. Nein es geht mehr da drum durch ein wenig nachdenken einen anstehenden Angriff mit der harmlosesten oder der Situation angemessenen Technik abwehren. Was eine angemessene Technik ist, bzw. was dies bedeutet lernt man natürlich im Training, aber einen kleinen Einblick, gibt es auch unter der Rubrik Selbstverteidigung, Notwehr und Recht zu lesen.

Also nochmal - eine Übersetzung nach heutigem Sprachgebrauch, könnte sein : 

JÛ = "sanft" = angemessen

SHIN = "geistvoll" = überlegt

DÔ = "Weg" = Handlung/Durchführung

Also eine Technik, welche eine der Situation angemessene und überlegte Durchführung ermöglicht.

Grundlegendes :

Gerade als Anfänger, hört man Vieles, was man garnicht einsortieren oder unterscheiden kann und manche Personen unterscheiden in Begrifflichkeiten auch garnicht. Konkret möchte ich hier auf die Begriffe wie Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung eingehen. Also erstmal ist alles unter dem Begriff/Dach des BUDO zusammenzufassen und das ist auch richtig. Ich persönlich mache jedoch schon Unterscheidungen im Bezug auf die Begriffe und Bedeutungen Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung. 

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Unter Kampfsport lassen sich wie das Wort schon sagt, all die Stile zusammengruppieren, welche sich der sportl.Ausrichtung des BUDO verschrieben haben. Also all die, welche sich in sportl. Wettkämpfen etc. messen, wie z.B. bei einer Olympiade. Ich greife hier mal Judo und Taekwondo als Beispiel raus.

Kampf-sport

Kampf-kunst

Selbst-verteidigung

BUDO

Unter Kampfkunst fasse ich meißt die Stile zusammen, welche nicht in die anderen zwei Kategorien passen. Auch betätigen sich die Ausübenden wirklich einer art Kunstform, welche optisch oft schön anzuschauen sind, aber weder für den Wettkampf, noch für die Verteidigung optimiert sind. Ich nenne hier mal als Beispiel Kung-Fu und Aikido.

Unter Selbstverteidigungsarten gruppiere ich all die Stile, welche sich ausschließlich der Verteidigung unter allen ernsten/realen Bedingungen verschrieben haben. Also all diese, welche sich nicht in Wettkämpfen messen, sondern ausschließlich dem Schutz des Ausübenden dienen. In diese Kategorie gehört natürlich auch JSD, oder WingTsun um eine weitere zu nennen.

Oh ich kann den Aufschrei bis hier her hören - "Mit Kung-Fu oder Aikido kann man sich sehr gut verteidigen, bei WingTsun oder anderen Selbstverteidigungsstilen betätigen wir uns sehr wohl sportlich und Judo oder Taekwondo sind optisch sehr harmonisch und haben auch etwas von einer Kunstform... Ja und das stimmt auch alles - daher habe ich ja ein solches Kreissinnbild gewählt. Ich kann alles für alles verwenden wenn ich möchte. Auch der Ursprung oder die Basis ist sowieso bei allen gleich oder zumindest ähnlich und hat sich nur spezifisch entwickelt. Hier geht es darum einmal zu zeigen welchen Schwerpunkten man bei verschiedenen Budo-Stilen nachgeht und genau dieser Frage muß man sich als Anfänger stellen - "Was will ich mit dem erlernten mal machen?" - will man sportliche Wettkämpfe machen, oder will ich es für meinen Selbstschutz lernen. Wenn man diese Frage beantworten kann, wird es noch schwer genug in der reduzierten Gruppe den geeigneten Stil für sich zu finden...

Bei der Vorstellung von JSD spricht man von einem Stil, aber ist es wirklich ein Stil ? Nach dem klassischen Verständnis eher nicht. Wir sagen daher auch eher, dass es sich bei JSD um eine Philosophie handelt. 

​Da sich JSD während des Kampfes auch der Techniken bedient, die vom Gegner ausgehende Kraft abzulenken oder sogar gegen ihn selber umzulenken, ist sie auch anwendbar bzw. effektiv bei einem Ungleichgewicht zwischen Angreifer und Angegriffenem. Dadurch ist dieser Stil auch ideal für Kinder und Frauen.

Die Basis stütz sich auf Grundtechniken des Karate, sowie Jiu-Jitsu/Ju-Jutsu und Aikido. Im Gegensatz zu den klassischen Stilen gilt jedoch – Anwendung findet jede und wirklich jede Technik, welche zum Erfolg führt. Damit der Schüler zur richtigen Zeit die richtige Technik wählt, wird vorzugsweise an Beispielen von realen Situationen trainiert.

Während des Trainings wird dem Schüler eine Vielzahl an Techniken gezeigt, welche einen unterschiedlichen Ansatz verfolgen und die anders umgesetzt werden müssen. Aus diesen kann der Ju-Shin-Do-Ka dann später die für Ihn leichtesten Techniken zur Anwendung wählen. Die Wahl beeinflusst zum Beispiel, entweder welchen Typ er selber verkörpert – der defensive Typ oder der offensive Typ, Mutig oder eher zurückhaltend. Zum anderen kann es sein das man seine Technikwahl der Situation anpassen sollte/muss – entweder bei einem Ungleichgewicht der Gegner – der Angreifer ist körperlich überlegen, oder es handelt sich um einen eigentlich unterlegenen Gegner (der aber gerade „übermütigt“ ist), oder um eine andere Situation die einen Einfluss auf die Technikwahl haben sollte – siehe hierzu auch das Kapitel Notwehr (Sonderfälle).